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WZ-Jahresrückblick: Das Wichtigste aus dem nördlichen Heidekreis

WZ-Jahresrückblick: Die Serie
WZ-Jahresrückblick: Das Wichtigste aus dem nördlichen Heidekreis
Von Redaktion • Ausgabe #20 • Im Browser ansehen
Nach jahrelangem Leerstand soll das Fachmarktzentrum in Soltau wiederbelebt werden - und gleich zwei Mordprozesse bewegen die Gemüter.

Einkaufszentrum startet als „Vega Soltau“ 2023 neu
Im Herbst wird bekannt: Ins Fachmarktzentrum (FMZ) “Soltauer Alm” im Südwesten der Stadt, Teil des Gewerbegebiets Almhöhe, soll wieder mehr Leben einziehen. Unter anderem ein Rewe-Markt und ein Drogerie-Geschäft der Müller Handels GmbH & Co. KG wollen in den zu großen Teilen leer stehenden Komplex einziehen. Die NATA Germany Immobilien GmbH, seit Ende 2020 Eigentümerin der Immobilie, will das FMZ im Jahr 2023 unter dem Namen “Vega Soltau” neu eröffnen, heißt es. Das Zentrum war am 12. Oktober 1998 gestartet, im Sommer 2018 schlossen zuerst Kaufland (5500 Quadratmeter), Ende desselben Jahres auch Aldi an diesem Standort ihre Pforten. Das Fachmarktzentrum, vor gut 20 Jahren noch auf neuestem Stand entwickelt, verlor immer mehr an Attraktivität.
“Bauliche Revitalisierungsmaßnahmen” sollen das Gemäuer aufwerten, kündigen NATA und Rewe an. Vollsortimenter Rewe (Gesamtfläche 2500 Quadratmeter), Müller (1600 Quadratmeter) und ein Discounter (1200 Quadratmeter) wollen für das Ende der Talfahrt sorgen. Insgesamt werde “Vega Soltau” ab 2023 gut 13.000 Quadratmeter vermietete Fläche umfassen. Zudem soll wieder eine Tankstelle im Außenbereich eröffnen, die Re-Aktivierung der Bushaltestelle werde angestrebt.
Zwei Mordprozesse am Landgericht
Kaum ist das Urteil “lebenslänglich” im Prozess um den Doppelmord an einem Neuenkirchener Ehepaar am Lüneburger Landgericht gegen den Angeklagten Maurice L. gefallen, als ein erneutes Verbrechen die Menschen im Heidekreis sprachlos macht: Mitte Mai werden in Bispingen eine 35 Jahre alte Frau und ihr vierjähriger Sohn tot aufgefunden, zwei Tage später wird auch die Leiche der elfjährigen Tochter an einem Waldweg bei Schneverdingen entdeckt.
Bereits wenige Stunden nach der Tat ermittelt die Polizei wegen Mordes - und zwar gegen den bislang einzigen Tatverdächtigen, den 35-jährigen Lebensgefährten der getöteten Mutter. Anfang September erhebt die Staatsanwaltschaft Lüneburg Anklage gegen den Mann. Schon nach dem dritten von möglicherweise mehr als zehn Prozesstagen spricht die Beweislage in dem Verfahren alles andere als für den Angeklagten Maurice G. Ihm wird Mord in drei Fällen zu Last gelegt, außerdem schwerer sexueller Missbrauch von Kindern mit Todesfolge und Vergewaltigung mit Todesfolge.
Erster Pop Up Store im Heidekreis
Kreative, Kaufleute und Dienstleister können sich ab Dezember mitten in Soltaus Fußgängerzone eine Zeit lang ausprobieren - zum Nulltarif beziehungsweise einen geringen Mietzins. Mit dem ersten Pop Up Store startet die Böhmestadt ein Pilotprojekt, das auf zwei Jahre angelegt ist und aus Mitteln des Programms “Perspektive Innenstadt” gefördert wird. In der Regel zwischen einem und vier Monaten können Nutzer auf 100 Quadratmetern Fläche ihr Konzept testen und mithelfen, neue Highlights in der City zu schaffen. Als erste Mieter bieten ehrenamtliche Helfer der Organisation Lifegate weihnachtliche Waren zum Verkauf an. Lifegate unterstützt eine Einrichtung für Behinderte in Bethlehem.
Sicherheitskräfte verhindern Angriff auf Scholz
Bei einem Wahlkampfauftritt des SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz am 21. September in Soltau hindern Sicherheitskräfte einen Mann daran, auf die Bühne zu stürmen. Er hatte bereits den Sicherheitszaun überwunden und sich den seitlichen Aufgangsstufen zur Bühne genähert. Die Sicherheitskräfte überwältigen den Mann und übergeben ihn der Polizei.
Schon vorher kommt es zu massiven Störungen der öffentlichen Veranstaltung auf dem Georges-Lemoine-Platz in der Innenstadt. Mehrere hundert Menschen wollen dort den Mann erleben, der später Kanzler wird. Zwei Frauen heben bereits bei Scholz’ ersten Worten Plakate und Transparente in die Höhe, auf denen es um das Klimathema geht. Die Aktivistinnen schreien dabei laut und ohne Unterbrechung Parolen in Richtung Bühne. Erst nach einigen Minuten werden sie aus der Menge abgedrängt.
Aus “HorseVillage” wird nun doch nichts
Stadt, Landkreis, Tourismus-Branche: Von der Idee, auf dem Gelände der ehemaligen Endo-Klinik bei Schneverdingen das Projekt “HorseVillage” mit kleinen Villen inklusive Stall und Auslauf für Urlaub mit dem eigenen Pferd zu realisieren, sind alle begeistert. Doch in diesem Jahr platzt der Traum.
Unter anderem die Pandemie macht vielen Planern und Investoren einen Strich durch die Rechnung, erklärt Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens: “Das Projekt wird nicht umgesetzt”, bestätigt sie im Juni auf WZ-Nachfrage. Offizielle Gründe für den Rückzug des Investors: Große Teile der Wirtschaft und des Tourismus sind wegen Corona schon monatelang lahmgelegt oder köcheln auf Sparflamme - schlechte Zeiten für den Neubau von Ferienvillen und Hotels. Außerdem explodieren in der Baubranche die Preise für Arbeit und Material, viele Baustoffe sind gar nicht lieferbar.
Rund 50 Ferienhäuser mit jeweils 100 Quadratmetern Wohnfläche, Doppelpferdebox und 200 Quadratmeter großen Paddocks direkt am Haus sollten das “Pferdeland Niedersachsen” aufwerten. Zwei Reithallen, überdachte Longierzirkel, Stallgebäude mit Infrastruktur und nicht zuletzt ein Vier-Sterne-Hotel mit rund 75 Zimmern ergänzten die Liste. Später lässt die Stadt die ersten Gebäude der ehemaligen Endo-Klinik auf dem “Lost Place” nahe der Ortschaft Ehrhorn abreißen.
Millionen für Dethlinger Teich
Die Sanierung kann beginnen: In rund fünf Jahren soll der sogenannte Dethlinger Teich bei Munster von Rüstungsaltlasten befreit sein. Das besiegelt Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies mit einer Unterschrift unter eine Vereinbarung, die dem Heidekreis weitere 38,4 Millionen Euro für die Maßnahme sichert. Geschätzt 50 Millionen Gesamtkosten hätten den Landkreis überfordert.
Bei einer Erkundung der Dethlinger Teiche zwischen September 2019 und April 2020 haben Experten bereits gut 2500 Stücke Kampfmunition aus dem Erdreich geholt. Das Landesumweltministerium rechnet mit gut 100.000 Kampfmitteln in dem zehn bis zwölf Meter tiefen Teich.
Vorlesen wie eine Siegerin
Zum 62. Mal wird der Vorlesewettbewerb ausgetragen. Bundesweit nehmen 348.636 Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse aus insgesamt 4306 Schulen teil. Klassen-, Schul-, Kreis-, Bezirks- und schließlich der Landesentscheid: Überall belegt Minou Taghi-Khani den ersten Platz.
Die zwölfjährige Schülerin der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Schneverdingen nimmt letztlich sogar als eine von 16 Teilnehmenden am Bundesfinale des Vorlesewettbewerbs teil, das live auf der Bühne vor Studiogästen und Fernsehzuschauern stattfindet. Minou fährt nicht als Siegerin nach Hause - aber als eine von Deutschlands besten Vorleserinnen.
Hilfe aus der Heide für das Ahrtal
Die Bilder, die Mitte Juli aus dem Südwesten Deutschlands in den Medien auftauchen, schockieren die gesamte Nation: Autos, Straßen, ganze Häuser werden von gewaltigen Wassermassen fortgerissen, mehr als einhundert Menschen sterben.
Die Flutkatastrophe ruft auch im Heidekreis große Hilfsbereitschaft hervor. Mit zwölf schweren Geräten macht sich unter anderem eine Gruppe um den Neuenkirchener Jan Schnackenberg in das Katastrophengebiet an der Ahr in Rheinland-Pfalz auf. Die Helfer räumen fast pausenlos Gärten und Wege frei - und stehen nach ihrer Rückkehr unter dem Eindruck der schweren Verwüstungen, die die Region getroffen haben.
Auf das Jahr 2021 im nördlichen Heidekreis blickten zurück
Manfred Eickholt und Märit Heuer
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