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Dashboards und Feedback

Ausgabe #82 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe „Roter Faden“-Leserinnen und -Leser,
neulich habe ich einen sehr interessanten Artikel in einem Medienmagazin gelesen. Im Prinzip ging es dabei um Sie, liebe Leser. Genauer gesagt darum, was Leser und Leserinnen von ihrer Tageszeitung erwarten.
Der Kollege beschrieb dort treffend seine Einschätzung, was die neue journalistische Welt angeht. Denn früher – vor der Digitalisierung – war es tatsächlich so, dass das Bauchgefühl der Redakteure und Redakteurinnen entscheidend dafür war, was den Weg in die Berichterstattung fand und was nicht. Da steckte zwar in der Regel viel Erfahrung dahinter, überprüfbar war die Richtigkeit der Akzentuierungen jedoch kaum.
Heute gibt es viele Dashboards mit Instrumenten, die in Echtzeit aufzeigen, welche Artikel wie oft „geklickt“ werden, welche Geschichten gar zum Abschluss eines Abos führen. Dabei geht es – zumindest in den allermeisten Verlagshäusern – aber nicht um die Evaluierung des Lesestoffs in dem Printprodukt, sondern um den Inhalt im digitalen Bereich, der zumindest bei der WZ in weiten Teilen deckungsgleich ist. Für das Digitalangebot stehen allerhand Tools bereit, die herausfiltern, welche Geschichte „gut läuft“; für die gedruckte Zeitung ist eine solche Sortierung ungleich schwerer möglich.
Die Technik hilft Journalisten ungemein; aus dem „Stochern im Nebel“ werden fundierte Analysen, was die Nutzer vermeintlich lesen wollen. Vieles deckt sich mit dem Bauchgefühl, manches allerdings auch nicht. Doch Vorsicht ist geboten: Ginge es ausschließlich nach diesen Sortierungen, müssten die sogenannten „Blaulichtthemen“ (Unfälle, Brände, Verbrechen) und boulevardeske Themen den größten Teil der Berichterstattung einnehmen. Die Gegenprobe indes ist leicht zu vollziehen: Wären diese Themen sichere Auflagenbringer, hätte etwa die „Bild“-Zeitung nicht seit Jahren enorme Auflageneinbrüche.
Der Leser und die Leserin, die Nutzerinnen und Nutzer wollen also mehr. Und da spielt eben die Vielfalt eine Rolle. Nicht jeder interessiert sich für jeden Artikel, aber eine breite Angebotspalette, in der Nutzer für sich das Passende finden, ist da ein gutes Rezept, um viele Menschen zu erreichen.
Und da kommt auch noch ein zweiter Aspekt hinzu: Es gibt auch einen publizistischen Auftrag, sich Themen zu widmen, die vielleicht auf den ersten Blick nicht immer attraktiv wirken, die Konsumenten jedoch helfen, Sachverhalte einzuschätzen. Sie sollen in die Lage versetzt werden – etwa auch hinsichtlich Wahlen -, sich eine Meinung zu Sachverhalten zu bilden. Ginge es jedoch ausschließlich um die reinen „Klickzahlen“, könnten wir die Berichterstattung über kommunale Haushalte, über Ratsentscheidungen und selbst über den Neubau des Heidekreis-Klinikums einstellen. Denn selbst die Nachricht über den Förderzuschlag von 195 Millionen Euro vom Land für den Klinikneubau hat digital nicht so „performed“ (neudeutsch für funktioniert), wie so mancher relativ unspektakuläre Verkehrsunfall.
Die Zusammenstellung der Inhalte ist also einem ständigen Abwägen unterworfen, immer im Bemühen, die besten Produkte anbieten zu können. Vor allem aber ist die Entwicklung sehr dynamisch und mit vielen internen, aber auch externen Gesprächen verbunden. So erklären wir Lesern und Leserinnen, Nutzern und Nutzerinnen auf Anfrage gern, weshalb wir das eine lassen und das andere tun. Und wir sind offen für die Anregungen dieser Menschen, denn Feedback ist trotz moderner Dashboards wichtig, wenn es darum geht, die Zeitung – analog oder als digitales Abo-Modell – zu verbessern.
Im Leitartikel der Woche habe ich mir Gedanken gemacht, was die großzügige Förderung des Landes Niedersachsen für einen Krankenhausneubau für Folgen hat.

Bleiben Sie uns gewogen – und scheuen Sie sich nicht, sich bei Fragen, Anregungen oder Kritik zu melden.
Jens Reinbold
Eine große Chance, aber auch eine riesige Verantwortung - Heidekreis - Walsroder Zeitung
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