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Es wird ungemütlich

Ausgabe #84 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Roter-Faden-Leserinnen und -Leser,
eigentlich könnte alles ganz nett sein: Sonne, Urlaub, lange Abende im Garten, Eisdiele, Biergarten. Doch alles, was wir mit einem entspannten Sommer verbinden, findet in diesen Wochen etwas seltener, unentspannter, gedämpfter und freudloser statt. Die großpolitische Wetterlage mit Krieg in der Ukraine und den großen Gipfeln, verbunden mit einer desaströsen Versorgungssituation auf dem Energiesektor, einer hohen Inflation und ernsten existenziellen Sorgen vieler Menschen, führen dazu, dass wir weniger den Sommer genießen, dafür aber besorgt auf den Winter zu schauen. Wird es der Politik gelingen, die Gasspeicher rechtzeitig und nachhaltig zu füllen? Davon abhängig wird sein, ob die Menschen in ihren Wohnungen vielleicht frieren und Unternehmen in Kurzarbeit gehen müssen. Schenkt man den Experten Glauben, die tagtäglich ihre Meinungen in den Medien verbreiten, dann ist die Situation sehr, sehr ernst.
Unterdessen geht es auch im Privatbereich darum, sich auf einen unangenehmen Winter einzustellen. Wo kann man sparen? Welche Möglichkeiten gibt es, sich privat und persönlich vom Heizungsgas etwas unabhängiger zu machen? Die Ersten trainieren schon unter der Dusche, mit weniger warmem Wasser und einer kürzeren Duschzeit auszukommen. Und was ist mit den öffentlichen Einrichtungen? Werden im Winter die Schwimmbäder und die Turnhallen schließen? Hinter den privatwirtschaftlichen, aber auch den politischen Kulissen wird schon wesentlich deutlicher Klartext geredet als in der öffentlichen Politik. Wer klug ist, denkt heute schon an einen Winter, der sich in vielerlei Hinsicht von allen anderen unterscheidet, die wir Nachkriegsgenerationen bisher erlebt haben. Und ich verrate kein Geheimnis, dass in Firmen schon Szenarien durchgespielt werden, die alles andere als lustig sind.
Ach ja, und dann ist da ja auch noch Corona. Die Inzidenzzahlen in diesem Hitzesommer sind enorm hoch – und die Dunkelziffer noch um ein Vielfaches höher. 27 Monate habe ich enorm aufgepasst, mich nirgendwo zu infizieren. Doch dann hat es auch mich erwischt. Wo, weiß ich bis heute nicht. Der Verlauf war unangenehm – sicherlich, kein Vergleich zu den schweren Fällen, die im Krankenhaus landeten, aber ich hätte gerne auf die Erfahrung verzichtet. Zusätzlich sind ganz aktuell zwei weitere Kolleginn*en betroffen. Und bedingt durch die Urlaubszeit ist die Personaldecke zusätzlich extrem dünn. Das alles merken Sie, liebe Leserinnen und Leser, hoffentlich nicht, denn der verbliebene Rest der WZ-Redakteurinnen und -Redakteure, längst wieder aufgeteilt in Team Homeoffice und Team Redaktion, sorgen weiterhin für interessante und informative Produkte, ob gedruckt oder digital.
Wenn ich auf die zu Ende gehende Woche blicke, dann sind es besonders zwei Ereignisse, die mich gedanklich beschäftigt haben: Zum einen ist es der völlig verkorkste Auftritt des neuen Betreibers der Heidebahn. Die Zustände auf der ehemaligen Erixx-Strecke sind katastrophal, gefühlt noch schlimmer als beim vorherigen Betreiber. Wieder hat sich der Schwarmstedter Samtgemeinde-Bürgermeister Björn Gehrs dieser Misere angenommen und die Beteiligten zusammengeführt. Meine Kollegin Johanna Scheele war dabei und hat ihre Eindrücke aufgeschrieben.

“Es muss besser werden”: Was der Bahnbetreiber verändern will - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Abschied nehmen hieß es am Donnerstag für und von Professor Frank Schmitz, dem bisherigen Ärztlichen Direktor des Heidekreis-Klinikums, der auf eine Chefarzt-Stelle nach Braunschweig wechselt. Mit ihm verliert das Klinikum und die gesamte Region nicht nur einen hervorragenden Gastroenterologen, sondern auch einen echten Kämpfer für eine patientenzentrierte Krankenhausmedizin. Aufgrund der Ökonomisierung des Krankenhauswesens hatte er seinerzeit schon bei einem privatwirtschaftlichen Träger gekündigt und war bewusst nach Walsrode gekommen, wo der Landkreis Träger des Krankenhauses ist. Sein Mantra war immer, dass die medizinische Verantwortung unteilbar und schon gar nicht kommerzialisierbar ist.
Ärztlicher Direktor des HKK: “Ich bleibe dem Heidekreis verbunden” - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Wer möchte, kann auch gerne meinen aktuellen Leitartikel lesen, in dem ich mich mit den Auswirkungen der jüngsten Weltgeschichte auf den Heidekreis beschäftige. Denn während der Landkreis viele Jahrzehnte in einem Dornröschenschlaf lag, ist der Hauch der Geschichte seit einigen Jahren immer wieder in der Heide spürbar.
Weltgeschichte wird im Heidekreis spürbar - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und ein erholsames Wochenende!
Rolf Hillmann
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